Nach 26 Jahren sozialistischer Wirtschaftspolitik unter General Ne Win (1962 bis 1988) begann die neue Militärregierung mit ihrer Machtübernahme 1988 die Umstellung auf ein teilweise marktwirtschaftlich orientiertes Wirtschaftssystem. Heute sind circa 70 Prozent der Unternehmen und Betriebe (vor allem kleinere und mittlere Dienstleistungsbetriebe) in Privatbesitz, 30 Prozent (insbesondere Großbetriebe in der Produktion) sind immer noch Staatsbetriebe und zumeist defizitär. Der Privatsektor erwirtschaftet mittlerweile mehr als 90 Prozent der Wirtschaftsleistung Myanmars. Nach wie vor ist die myanmarische Wirtschaft ganz überwiegend agrarisch geprägt. Der Anteil des Agrarsektors am Bruttoinlandsprodukt (BIP) liegt bei über 50 Prozent. Rund zwei Drittel aller Beschäftigten sind in der Landwirtschaft tätig. Demgegenüber trägt die verarbeitende Industrie lediglich etwa 13 Prozent zum BIP bei, auf Handel und Dienstleistungen entfallen circa 35 Prozent.
Aktuelle wirtschaftliche Lage
Die Wirtschaftslage Myanmars bleibt anfällig für externe Schocks, Missernten und Turbulenzen im Bankensystem. Hinzu kommen erratische wirtschaftspolitische Entscheidungen, Energieengpässe und eine übermäßige Reglementierung des Wirtschaftslebens durch die Regierung. 2007 wurde nach Schätzungen internationaler Beobachter ein reales Wachstum von ca. 5,5 Prozent erzielt. Die myanmarische Regierung gab demgegenüber deutlich höhere Wachstumsraten von 18,7 Prozent (2007) und 13,2 Prozent (2006) bekannt. Das Pro-Kopf-Einkommen des Landes wird auf jährlich etwa 260 US-Dollar geschätzt. Die Inflationsrate ist in den letzten beiden Jahren erheblich angestiegen. Sie lag im Haushaltsjahr 2007 nach Regierungsangaben bei 26.3 Prozent, nach Schätzungen des IWF sogar bei etwa 37 Prozent. Vor allem rapide steigende Preise für Nahrungsmittel, Kraftstoffe und Baumaterialien treffen die Bevölkerung hart. Eine Arbeitslosenzahl wird von der Regierung nicht ermittelt. Der Anteil der Unterbeschäftigten wird auf mindestens ein Drittel der arbeitenden Bevölkerung geschätzt. Tagelöhnertum ist weit verbreitet. Die Bevölkerung ist insbesondere in den ländlichen Gebieten von Armut betroffen. Im “Bericht über die menschliche Entwicklung 2007″ der Vereinten Nationen wird Myanmar auf Platz 132 von 177 Ländern geführt. Die myanmarische Regierung veröffentlicht kaum Daten zum Staatshaushalt. Der Internationale Währungsfonds zählt jedoch hohe Haushaltsdefizite seit Jahren zu den Strukturproblemen des Landes. Die staatlichen Ausgaben legen einen deutlichen Schwerpunkt auf den militärischen Bereich. Die Ausgaben für Gesundheit und Bildung sind auch im Vergleich zu anderen asiatischen Ländern sehr niedrig. Die Auslandsverschuldung Myanmars beträgt 7,1 Milliarden US-Dollar. Kredite der Asiatischen Entwicklungsbank, der Weltbank und u.a. auch der Kreditanstalt für Wiederaufbau werden derzeit nicht bedient. Der Zugang Myanmars zu internationalem Kapital ist äußerst beschränkt. Das Land erhält keine Unterstützung von den Internationalen Finanzinstitutionen und keine nennenswerte Entwicklungshilfe. Auch internationale Wirtschaftssanktionen, die aufgrund der innenpolitischen und menschenrechtlichen Lage gegen Myanmar verhängt wurden, wirken sich negativ auf die Wirtschaftslage aus.
Zurück